Live In Ausgabe April 2019


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

weht da ein frischer Wind durchs Land? Mit den ersten Frühlingsboten scheint sich auch das gesellschaftliche Klima in den letzten Wochen spürbar zu ändern. Auf Fake News-Debatten, Rechtsruck durch Europa, die seltsame Geschichte vom Brexit und allgemeine Politik-Verdrossenheit scheint im Augenblick eine Art Demokratie-Verjüngung stattzufinden.

„Die Jugend von heute interessiert sich für nichts mehr, was außerhalb des Smartphone-Bildschirms stattfindet.“ Stimmt das wirklich? Jeden Freitag bestreiken tausende Schüler weltweit ihren Schulunterricht. Unter dem Motto „Fridays for Future“ gehen sie gemeinsam auf die Straße und demonstrieren für einen effektiven Klimaschutz und dafür, dass Politik und Wirtschaft den vagen Versprechen und hohlen Phrasen endlich Taten folgen lassen. Ihr Argument ist schlüssig: Wozu die korrekte Anwendung des Futur II oder Algebra lernen, wenn damit zu rechnen ist, dass danach eine Zukunft ohne saubere Luft, genießbares Trinkwasser und gesunde Lebensmittel wartet.

Ins Rollen gebracht hat die Bewegung die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die 2018 damit begann, ihren Schulunterricht zu bestreiken. Von Seiten der Politik fällt die Reaktion darauf ambivalent aus. Einerseits wird das Engagement wohlwollend zur Kenntnis genommen, andererseits wird mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Schulpflicht hingewiesen. Und mancher Abgeordneter meint sogar, dass Umweltschutz ein Thema ist, das man lieber den Profis überlassen sollte – also den Parlamentariern, Lobbyisten und Konzernen.

Viele prominente Persönlichkeiten und Künstler wie Konstantin Wecker stellen sich uneingeschränkt auf die Seite der Demonstranten. „Nein Herr Lindner, viele Jugendliche haben zu Recht die Schnauze voll von all diesen Profis. Was wir jetzt brauchen, sind idealistische Amateure, Schulschwänzer, Träumer, die uns alten Säcken immer wieder vor Augen führen, dass wir ihre Zukunft schon fast zerstört haben. Ich kann mir gut vorstellen, was für eine Panik gewisse Kreise davor haben, dass da ein neues und modernes ‘68 wieder aufleben könnte. Ich fände es großartig.“

Wir leben in turbulenten Zeiten und Geschichte wird immer heute geschrieben, nicht irgendwann. In diesem Sinne wünschen wir euch und uns, dass die Zukunft von denen bestimmt wird, die verantwortungsvoll damit umgehen wollen.

Bleibt aufmerksam, mutig und freundlich,

Eure Redaktion

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